Von Kraus über Joyce retour zu Loos und Schönberg

Von Karl Kraus über James Joyces rot-weiß-rote Spuren retour zu Adolf Loos und Arnold Schönberg

Besprechung von Hans Wollschlägers „Karl-Kraus-Lesebuch“ aus: „Der Standard“. „Kultur“. „Das Buch“. 20. April 1989. S. 9.
Hans Wollschlägers „Karl-Kraus-Lesebuch“ aus: „Der Standard“, „Kultur“, „Das Buch“. 20. April 1989. S. 9.

Der Architekt und Kulturpublizist Adolf Loos war mir wegen meiner Begeisterung für das Werk von Karl Kraus ein Begriff (siehe meine Arbeit über Karl Kraus und die Psychoanalyse (Sigmund Freuds): »Der Prophet und der apokalyptische Reiter«).

Meine intensive Beschäftigung mit Loos‘ Leben und Werk erfolgte allerdings erst bei meinen Recherchen zum gemeinsamen Aufruf von James Joyce, Karl Kraus, Valéry Larbaud, Heinrich Mann und Arnold Schönberg zur Gründung einer „Adolf Loos Schule“ dessen Entstehungs-, Wirkungs- und Nebenwirkungsgeschichte ich im Jahr 2004 zu erforschen und auf meiner privaten Website zu dokumentieren begonnen habe.

In der Folge wurde ich eingeladen, beim Wiener „Leben mit Loos“-Symposion am 17. November 2006 einen Vortrag über James Joyces überraschende Parteinahme für Adolf Loos zu halten. Im Folgejahr hat mich Ö1-Redakteur Michael Schrott eingeladen, bei der „Diagonal“-Sendung „Zur Person Adolf Loos“ mitzuarbeiten. Nachdem ich einen Text über den gemeinsamen Aufruf zur Gründung einer Adolf-Loos-Schule als Sendungsappetizer für das monatliche „Ö1“-Printmagazin „gehö1t“ beigesteuert hatte, musste ich für die „Diagonal“-Radiosendung ein alternatives Thema wählen.

Nun hatte die Germanistin Klaralinda Ma beim zuvor erwähnten „Leben mit Loos“-Symposion anhand der Erinnerungen von Elsie Altmann-Loos, einem halben Dutzend Zeitungsartikel sowie jener „Seite des faksimilierten Auszugs aus dem Prozessurteil […], das in den Memoiren von Elsie Altmann-Loos wiedergegeben wurde“ über den „Fall Loos“ referiert, weshalb ich dieses Thema, das ein Teilaspekt meines eigenen Vortrages beim „Leben mit Loos“-Symposion war, ursprünglich anhand Interviews mit Klaralinda Ma und Adolf Opel, dem Herausgeber der Erinnerungen von Elsie Altmann-Loos und Loos‘ Schriften, gestalten wollte.

Adolf Opel hat mir freundlicherweise eine vollständige Kopie des von der Loos-Forschung Jahrzehnte lang ignorierten Gerichtsurteils und ein Konvolut von rund sechzig zeitgenössischen Zeitungs- und Zeitschriften-Berichten über den „Fall Loos“ aus dem „Tagblattarchiv“ überlassen, die allesamt aus den Beständen der „Wien Bibliothek“ stammten und dank ihrer Materialfülle eine umfassendere Ausgangsbasis als die ursprünglich geplanten Interviews waren. Demgemäß habe ich im Winter 2007/08 den „Fall Loos“ anhand der aus dem Karl-Kraus-Nachlass stammenden Abschrift des rechtskräftigen Gerichtsurteils sowie rund hundert zeitgenössischer Zeitungsberichte rekonstruiert und im Februar 2008 für die Ö1-Sendung „Diagonal“ („Dirty Old Loos“) sowie im Sommer 2008 für das „Spectrum“ der „Presse“ („Pyjama und Verbrechen“) zusammengefasst.

Das Ausweichen auf die in ihrem Informationsgehalt sowie ihrer Verbindlichkeit eingeschränkten zeitgenössischen Zeitungsberichte war erforderlich, weil der Gerichtsakt der Strafsache gegen Adolf Loos verschollen war. Als im Jahr 2014 der vollständige Gerichtsakt unerwartet bei einer Wohnungsräumung aufgetaucht ist, habe ich vom Antiquar, der sich nicht sicher war, ob der Straf-Gerichtsakt tatsächlich den Architekten Adolf Loos betreffe, die Erlaubnis zur Anfertigung einer Kopie des über 300 Seiten starken Dokuments erhalten und dieses anschließend analysiert und interpretiert: Neue Details zum Pädophilieprozess um Adolf Loos („profil“. 13. April 2015. S. 100-104) sowie dessen Seitenstück Strafsache Adolf Loos. Vertiefte Analyse des Gerichtsaktes zum „Fall Adolf Loos“.

„Aus erregtem Geschlechtsgefühl“. Die lange verschollenen Gerichtsakten zum Pädophilie- und Missbrauchsprozess gegen Adolf Loos im Jahr 1928 offenbaren neue, spektakuläre Details. In: profil. Nr. 16. 13. April 2015. S. 100-104.
„Aus erregtem Geschlechtsgefühl“. Die lange verschollenen Gerichtsakten zum Pädophilie- und Missbrauchsprozess gegen Adolf Loos im Jahr 1928 offenbaren neue, spektakuläre Details. In: profil. Nr. 16. 13. April 2015. S. 100-104.
Advertisements